Biologische Station im Kreis Wesel e.V.

Biologische Station im Kreis Wesel e.V.

Wir engagieren uns für die Natur.

Seltene Wildbiene gesichtet

Ein Musterbeispiel für die Beziehungsgeflechte in der Natur lässt sich derzeit am Deich bei Bislich beobachten. Jetzt, in der Hauptblütezeit der Wiesen-Witwenblume, auch Knautie genannt, wurde dort eine bei uns seltene Wildbiene gesichtet, deren Name schon alles verrät: Die Knautien-Sandbiene. Wie viele andere Wildbienen auch, ist sie auf einige wenige Futterspender spezialisiert. Vor allem die Wiesen-Witwenblume steht auf dem Speiseplan der Biene, daneben sammelt sie auch an der Wald-Witwenblume und später in ihrer Flugzeit an der Tauben-Skabiose Nahrung. Ihre Spezialisierung führt dazu, dass sie nur eine kurze Flugzeit von Juni bis August hat.

Foto: Blick vom Deich in Bislich-Vahunm Foto: Wiesen-Witwenblume Foto: Knautien-Sandbiene

Die Nester legt die Knautien-Sandbienen in selbst gegrabenen Hohlräumen in sandigem Boden an. Jedes Weibchen gräbt seine eigene Höhle, Staatenbildung liegt ihm fern. Im Gegensatz zu vielen anderen Wildbienenarten liegen die Nester meist einzeln und nicht konzentriert. Das Nest der Sandbienen ist eine in den Sandboden hineinragende Röhre mit 2-10 kleinen Seitenkammern. In jede Kammer legt die Sandbiene ein Ei, aus dem nach wenigen Tagen eine Larve schlüpft, die mit Pollen versorgt wird.

Auf die wiederum haben es verschiedene Fressfeinde abgesehen. Der wohl interessanteste Feind ist die Rote Wespen-Biene. Sie ist sogar noch spezialisierter als die Sandbiene, die immerhin mehrere Pflanzenarten nutzt. Denn die Wespen-Biene benötigt zur Fortpflanzung vor allem eines: Die Nester der Knautien-Sandbiene. Denn nur in deren Larven legt sie selbst ihre Eier, keine andere Art wird von ihr parasitiert! Und weil das sehr an einen uns allen bekannten Vogel erinnert, nennt man all die Bienen, die ein solches Verhalten zeigen "Kuckucks-Bienen". Fast ein Viertel der ca. 500 heimischen Wildbienenarten schenkt sich selbst die Aufzucht des Nachwuchses und überlässt diesen anderen Bienen.

Foto: Knautien-Sandbiene Foto: Artenreiche Wiese Foto: Knautien-Sandbiene

Die Rote Liste von NRW führt die Knautien-Sandbiene als "stark gefährdet", die Rote Wespenbiene sogar als "vom Aussterben bedroht". Zumindest soll die Sandbiene zukünfig keinen Nahrungsmangel mehr leiden, denn in den Wiesenprojekten der Biologischen Station wird auch die Witwenblume vermehrt und wer weiß, vielleicht können wir demnächst sogar die Rote Wespen-Biene bei uns antreffen.

Fotos der Knautien-Sandbiene: W. Podlatis

Biologische Station im Kreis Wesel e.V. · Freybergweg 9 · 46483 Wesel
Tel.: 02 81 - 9 62 52 0 · Mail: info(at)bskw.de